Theater - Verein „Edelweiß“ Hersel - Uedorf e.V. ( Chronik )

Der Theater – Verein „Edelweiß“ hat sich in den mehr als 80 Jahren seines Bestehens einen festen Platz im Vereinsleben des Ortes Hersel geschaffen und bis in die heutige Zeit hinein auch erhalten können.
Selbst über die Grenzen Hersels hinaus wurde der Verein durch sein Laienspiel bekannt.

Mit seinem Motto „Ernst ist das Leben, heiter die Kunst“ hat der Verein es verstanden, alle Schwierigkeiten dieser langen Zeit zu überwinden.

Aus der Spielerschar, die Herr Studienrat Dr. Jentges als Kaplan und Präses in seinem Jünglingsverein gründete, ist der Theater – Verein hervorgegangen. Mit dem Schauspiel „Sklave aus Liebe“ aus der Feder von Schlesinger hat diese Spielerschar, erstmalig im Jahr 1922, die Bretter, die die Welt bedeuten, betreten. Damals fanden die Aufführungen in der alten Herseler Kirche, auf einer selbst gebauten Bühne, vor Stuhlreihen, statt. In den darauf folgenden beiden Jahren entwickelten sich die Aufführungen der Spielerschar zu einem festen, kulturellen Bestandteil des Dorfsleben in Hersel.

Als Herr Dr. Jentges 1924 Hersel verließ und der Jünglingsverein führerlos war, stellte sich die Spielerschar auf eigene Füße und gründete in der Gaststätte „Rech“ (später Decker), den Theater-Verein „Edelweiß“.

Die Gründer des Vereins waren die Herren:
Heinrich Dahl, Mathias Ditz, Norbert Frohn, Gottfried (Fritz) Heuser, Georg Krewet und Johann Voosen.
Kurze Zeit später gesellten sich die Herren Heinrich Ditz, Barthel Fassbender, Johann Kemp, Josef Lülsdorf und Hermann Marx dazu.

Der Verein trat mit dem Schauspiel „Die Räuber von Maria Culm“, im November 1924, erstmalig an die Öffentlichkeit.

Als erster Vorsitzender fungierte Gottfried (Fritz) Heuser. Neben dem Theater-Verein gehörte die Malerei zu seinen Hobbys. So ist es nicht verwunderlich, dass er für die Gestaltung der Kulissen und Dekorationen, in den Sälen Schirm und Decker, mit verantwortlich zeichnete.

In den folgenden Jahren fand jeweils eine Aufführung in der Fastenzeit sowie im Herbst eines jeden Jahres statt. Zur Aufführung gelangten neben Trauer-, Volks- und Passionsspiele mit Gesang auch Dramen und Schauspiele, zum Teil unter der Mitwirkung anderer Herseler Ortsvereine wie Kirchenchor, Männergesangverein, etc..

Im Jahre 1930 erhielt der Theater-Verein seine, noch heute existierende, Vereinsfahne. Dieses, für den Verein, bedeutsame Ereignis wurde am 17. und 18. Mai 1930 mit einer Fahnenweihe und anschließendem Theaterwettstreit feierlich begangen.

Am 29.01.1939 wurde das letzte Theaterstück „Die Tochter des Kellermeisters“ vor dem 2. Weltkrieg aufgeführt.
Danach begannen auch für den Theater-Verein „Edelweiß“ die schrecklichen und unsinnigen Jahre des 2. Weltkrieges.

Beim Einrücken der Alliierten, im März 1945, wurde die Vereinsfahne schwer beschädigt. In der Annahme, bei den auf der Fahne dargestellten Symbolen handele es sich um Symbole des NS – Regimes, durchstieß ein amerikanischer Soldat Sie mehrmals mit seinem Bajonett.
Die Fahne schien zuerst für den Verein verloren. Die Schwestern des Herseler Ursulinenklosters haben sie dann, Anfang der 50iger Jahre in liebevoller und mühsamer Kleinarbeit wieder restauriert. Ihnen haben wir es zu verdanken, dass ein Stück Kultur erhalten geblieben ist. Die Beschädigungen von Damals sind aber auch noch heute, bei genauerer Betrachtung, zu erkennen.

Nach den Wirren des Krieges trat der Verein 1947 mit dem Stück „Solang noch lebt dein Mütterlein“ wieder an die Öffentlichkeit.

Da sich in der näheren und weiteren Umgebung von Hersel mehrer Theater-Vereine gebildet hatten, griff man die Tradition der Theaterwettstreite wieder auf und führte sogar die Prämierung der einzelnen Theaterstücke ein.
Diese Aufführungen fanden beim Publikum großen Anklang und war gleichzeitig für die Spielerinnen und Spieler ein Ansporn zu guten Leistungen.
Der Theater-Verein „Edelweiß“ konnte so manchen Wettstreit als Sieger verlassen.

So beschloss man, im Jahr 1949 das 25jährige Bestehen, ebenfalls mit einem Theaterwettstreit zu feiern. An diesem Wettstreit beteiligten sich 7 auswärtige Brudervereine.

Mit dem Aufkommen des Fernsehens und der größeren Vergnügungsmöglichkeiten in den 50iger Jahren, war die Zeit der ernsten Stücke und Dramen vorüber.
Man beschloss, auf Luststücke, Schwänke und Burlesken umzusteigen. In den folgenden Jahren gelangten Stücke zu Aufführung wie: „Der doppelte Moritz“, „Der Meisterlügner“, „Dreimal schwarzer Kater“, „Der Etappenhase“, „Die spanische Fliege“, „Ohne Geld durch die Welt“, „Charlys Tante“ oder „Der Meisterboxer“ um nur einige zu nennen.
Alle diese Theaterstücke waren für den Theater-Verein große Erfolge und wurden zum Teil zweimal Aufgeführt, weil der Saal zu klein war.

Im Jahr 1957 wurde, in gemütlicher Runde bei einem Glas Bier, die Verleihung des „Bambi“ aus der Taufe gehoben.
Die Verleihung des „Bambi“ (ein Stoffreh) stellt einen Höhepunkt im laufenden Vereinsjahr dar und erfolgt auf der traditionellen Nikolausfeier des Theater-Vereins, im Dezember. Mit der Vergabe dieses Preises wird die beste Spielerin / bester Spieler des jeweils gespielten Stückes für ihr / sein Engagement auf der Bühne geehrt. Gleichzeitig dient er den anderen Akteuren als Ansporn zu guten Leistungen für das nächste Theaterstück.
Als erster Spieler, erhielt Theo Wildenberg, für die Darstellung der Rolle des Hein Lammers im Luststück „Der Etappenhase“, diese Auszeichnung.

Am 2. Mai 1964 wurde das 40jährige Bestehen mit einem Festkommers und dem eigens hierfür einstudierten Stück „Richtet nicht“ gefeiert. Die Festlichkeiten wurden unter Mitwirkung des Männergesang-Verein Aegidius Hersel sowie des Mandolinen-Clubs „Rheinperle“ Hersel gestaltet.
Anfang Januar des Jahres 1968 schloss der Saal Decker seine Pforten und der Theater-Verein „Edelweiß“ wurde heimatlos. Da es in Hersel keine geeignete Aufführungsmöglichkeit mehr gab, musste man sich in den Nachbardörfern nach einer neuen Spielstädte umsehen. Ein neues Zuhause fand man in der Aula der Grundschule in Widdig. Am 26.10.1968 gab man dort, mit dem Schwank „Die spanische Fliege“, sein Debüt.

Mit einer Kleinen internen Feier, beging man das 45jährige Bestehen im Jahre 1969.

Das Jahr 1974 war für den Theater-Verein wieder ein besonderes Jahr. Aus Anlass des 50jährigen Bestehens wurde auf dem Domhofplatz (heutiger Stand der Rheinhalle) eigens ein Festzelt errichtet. Der Auftakt der Festlichkeiten bildete, am Samstag, den 25. Mai 1974 ein Festkommers mit Festansprachen und Ehrungen der Jubilare. Anschließend ging man zu einem bunten Abend über.
Am Sonntag, den 26. Mai 1974 wurde, nach einem Festgottesdienst mit anschließender Kranzniederlegung am Gefallenendenkmal, erst einmal, mit der Herseler Bevölkerung, bei einem zünftigen Frühschoppen, so richtig gefeiert.
Die Festlichkeiten klangen des Abends unter der Mitwirkung von bekannten Künstlern aus Funk und Fernsehen aus.
Der Theater-Verein beschränkt sich jedoch bei seinen Aktivitäten nicht nur auf das Laienspiel, sondern richtet, seit vielen Jahren, in Zusammenarbeit mit dem Männergesang-Verein Aegidius Hersel auch die Herseler Kirmes aus.

Für die Karnevalssession 1976 / 1977 stellte der Theater – Verein erstmals das Prinzenpaar in Hersel. Germann Pauli und Helga Thomann zogen an Karnevalssonntag als German I. und Helga II. durch Die Straßen von Uedorf und Hersel.

Am 2. Februar 1979 kam eine weitere Aktivität hinzu. Unter der Mitwirkung des Tambour Corps Germania Hersel fand, im großen Saal der neu errichteten Rheinhalle, eine Herrensitzung statt. Seit nun mehr als 25 Jahren erfreut diese karnevalistische Veranstaltung die Besucher aus Nah und Fern mit einem attraktiven und abwechselungsreichen Programm.
Seit Anfang der 80iger Jahre erfreut sich das Laienspiel des Theater-Verein „Edelweiß“ einer immer größer werdenden Beliebtheit. Wir sind stolz darauf, nicht nur Besucher aus den Rheinorten Hersel, Uedorf und Widdig zu unserem Publikum zählen zu können. Auch Besucher des umliegenden Rhein-Sieg-Kreises sowie den angrenzenden Großstädten Köln, Wesseling und Bonn haben den Weg zu unseren Theateraufführungen gefunden. So musste im Laufe der Jahre die Anzahl, von anfänglich zwei Aufführungen pro Jahr, bis auf jährlich fünf Aufführung, in der heutigen Zeit, erhöht werden.

Das Jahr 1984 war wieder ein festliches Jahr. Der Verein konnte sein 60jähriges Bestehen feiern. Unter anderem stellte der Theaterverein das Prinzenpaar für die Session 1983 / 84. Hans Kemp und seine Gattin haben, als Thea I. und Hans I., den Verein würdig vertreten. Auf einem Festkommers im Aegidiussaal wurden die noch lebenden Gründungsmitglieder, mit einem Zinnteller für ihre Verdienste um den Verein, geehrt.
Im gleichen Jahr konnte der Verein nochmals vier Jugendliche für das Laienspiel gewinnen. So war es dem Verein möglich, ein Theaterstück mit großer Besetzung aufzuführen. Ende Oktober 1984 feierte das Luststück „Der Schaukelstuhl“, mit viel Erfolg, Premiere.

Man beschloss, von nun an, im Abstand von fünf Jahre das Vereinsbestehen in angemessenem Rahmen zu feiern.

Im Jahre 1989, zum 65jährigen Bestehen, stellte der Theaterverein nochmals die Herseler Tollitäten. Erstmals wurden die Herseler Narren nicht von einem Prinzenpaar, sondern von einem Dreigestirn regiert. Prinz, Bauer und Jungfrau wurden von den Vereinsmitgliedern Helmut Mertens (Prinz), Hermann-Josef Deussen (Bauer) und Hans Kemp (Jungfrau) verkörpert. Der Höhepunkt des 65jährigen Bestehens war eine Reise nach Hamburg mit Besuch des Musical „Cats“.

1994, zum 70jährigen Bestehen ist der Besuch der Seebühne in Bregenz, mit der Oper „Nabuco“ sicherlich so manchem Mitglied in bleibender Erinnerung geblieben.

Auf der Jahreshauptversammlung im Frühjahr 1990 beschlossen die Mitglieder den Theater – Verein „Edelweiß“ ins Vereinsregister des Amtsgerichtes Bonn eintragen zu lassen. Seit Herbst 1990 ist der Verein im Vereinsregister des Amtsgerichts Bonn, unter der Nummer VR 6045, mit dem Namen Theater – Verein „Edelweiß“ Hersel – Uedorf e.V., eingetragen.

Mit einem Festwochenende zu dem man befreundete Vereine und ehemalige Spielerinnen eingeladen hatte, feierte der Theater – Verein, im Jahr 1999 sein 75jähriges Bestehen. Der krönende Abschluss der Feierlichkeiten bildete eine 3tägige Reise nach Freiburg im Breisgau.

Im Jahr 2001 hielt auch im Theater – Verein die Gleichberechtigung Einzug. Mit Beschluss der Mitgliederversammlung vom 07.04.2001 können Frauen ebenfalls als ordentliche Mitglieder in den Verein aufgenommen werden.

Als erste weibliche Mitglieder konnte der Verein Frau Regina Meyer, Frau Michaela Ploss sowie die Spielerinnen Monika Busch und Sonja Weihs willkommen heißen.

Im Jahr 2003, um genau zu sein, beim Herseler Karnevalszug hatte man die Idee, aus Anlass des 80jährigen Bestehens, im Jahr 2004, das Prinzenpaar für die Session 2003 / 2004 zu stellen. Aus der anfänglichen Idee wurde am 08. November 2003 dann Wirklichkeit. Das Ehepaar Regina und Karl-Heinz Meyer wurden auf der Veranstaltung „Alles unger enem Hot“ als Regina I. und Karl-Heinz I. proklamiert.

Seit nun mehr als 80 Jahren ist der Theater – Verein „Edelweiß“ Hersel – Uedorf e.V. seiner Tradition und seinem Motto:

„Ernst ist das Leben, heiter die Kunst“

treu geblieben und nimmt auch weiterhin, aktiv, an den festlichen Anlässen innerhalb der Dorfgemeinschaft teil.
Einer der obersten Grundsätze des Vereins ist es das Laienspiel zu fördern und sein Publikum mit seinen Theateraufführungen auch weiterhin zu erfreuen.